Zivilgesellschaftliches Statement für "inklusivere Global Governance" unterstützt ein UN-Parlament
Anlässlich des Internationalen Tages für Multilateralismus am 24. April hat eine Gruppe von 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der sie die UN und ihre Mitgliedsstaaten auffordern, drei Vorschläge "zur Stärkung des inklusiven und demokratischen Charakters" der Weltorganisation umzusetzen. Eine der Forderungen ist die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen (UNPA).
Laut dem Statement soll die neue Versammlung eine "Einbeziehung von gewählten Abgeordneten in die Gestaltung der Agenda und die Entscheidungsfindung der UNO" ermöglichen. Darüber hinaus solle sie "als repräsentatives Gremium und Kontrollinstanz fungieren, das die Menschen mit der UNO verbindet und eine breite Vielfalt globaler Standpunkte widerspiegelt."
Die Befürwortung dieses Vorschlags in der gemeinsamen Erklärung der Zivilgesellschaft ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Kampagne für eine UNPA, die seit 2007 läuft. Im Januar identifizierte ein UN-Bericht über öffentliche Konsultationen, die im Laufe des Jahres 2020 durchgeführt wurden, eine UNPA als einen der am häufigsten genannten Vorschläge im Bereich der Erneuerung der UN.
Zu den Unterzeichnern der neuen Erklärung gehören Organisationen wie Avaaz, Greenpeace und Open Society Foundations sowie Netzwerke wie die Coalition for the UN We Need, Forus International, Together 2030 und Together First. Initiiert wurde sie unter dem Titel "We The Peoples" von CIVICUS: World Alliance for Citizen Participation, Democracy International und Democracy Without Borders. Letztere Organisation fungiert auch als Sekretariat der UNPA-Kampagne.
Die beiden anderen Vorschläge, die in der gemeinsamen Erklärung hervorgehoben werden, sind das Instrument einer UN-Weltbürgerinitiative sowie ein hochrangiges UN-Büro für die Zivilgesellschaft.
Bild oben: Ein Blick auf die Flagge der Vereinten Nationen, die vor dem UN-Hauptquartier in New York weht. UN-Foto/Evan Schneider
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www.wethepeoples.org
Gulnara Shahinian
The need for democratization of the UN has been widely discussed within the organization and raised by former UN Secretary Generals. Furthermore, the need for modernizing the UN to more effectively address the challenges of the modern world has also been recognized. Adopted after the Second World War, the UN’s structures, policies and rules are not only inadequate in the current world, they perpetuate inefficiency and paralysis. I believe that modernization and democratization go hand in hand. Democracy Without Borders pursues a promising approach by advocating a strengthening of democratic representation and participation of citizens. Creating a UN Parliamentary Assembly in particular would address the UN’s democratic deficit by giving the people a stronger voice in decisions that affect them.UN-Bericht: Eine parlamentarische Versammlung bei der UN könnte als "beratendes Gremium" dienen
In einer globalen Konsultation, die von den Vereinten Nationen im Laufe des Jahres 2020 durchgeführt wurde, haben sich die Bürgerinnen und Bürger weltweit mit überwältigender Mehrheit für die internationale Zusammenarbeit ausgesprochen, aber auch die Notwendigkeit betont, dass die Vereinten Nationen sich erneuern und inklusiver werden. Die Konsultation, die anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Organisation durchgeführt wurde, war der bisher ehrgeizigste Versuch der Vereinten Nationen, die Meinung der Weltöffentlichkeit einzuholen. Nach Angaben der UN haben mehr als 1,5 Millionen Menschen aus 195 Ländern durch Umfragen und Dialoge teilgenommen.
Ein Überblick über die Antworten und Schlussfolgerungen wurde im Januar in einem 96-seitigen Bericht veröffentlicht. Das Dokument weist darauf hin, dass einige der am häufigsten geteilten und wichtigsten Ideen, die von den Dialogteilnehmerinnen und -teilnehmern zur Erneuerung der UNO vorgebracht wurden, unter anderem eine stärkere moralische Führung der UNO, eine größere Repräsentativität des UN-Sicherheitsrates, eine Neubewertung des Vetorechts der ständigen Mitglieder, die Einberufung einer globalen zwischenstaatlichen Konferenz "zur Neuformulierung von Schlüsselaspekten und -mechanismen der Global Governance" sowie die Verbesserung der Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen und Interessengruppen beinhalteten.
Der UN-Bericht geht auf den Vorschlag einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen (UNPA) ein, der von Demokratie ohne Grenzen und einem breiten Spektrum zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der ganzen Welt unterstützt wird. Der Vorschlag wurde zum Beispiel in der UN75 People's Declaration, die im Mai 2020 als gemeinsame Plattform der globalen Zivilgesellschaft verabschiedet wurde, befürwortet oder von CIVICUS: World Alliance for Citizen Participation bei einem hochrangigen Treffen, das vom Wirtschafts- und Sozialrat der UN im Juli 2020 organisiert wurde, eingebracht.
Konkret stellt das UN75-Dokument fest, dass "die UN demokratisiert werden können" durch Reformen "wie die Einrichtung einer parlamentarischen Versammlung der UN als Nebenorgan der Generalversammlung gemäß Artikel 22 der Charta."
Weiter heißt es in einem Abschnitt über ein "inklusives und partizipatives UN-System", dass eine parlamentarische Versammlung, die die Stimme der Bevölkerung repräsentiert, "als beratendes Gremium der Bürgerinnern und Bürger für die Generalversammlung eingerichtet werden könnte."
Der Geschäftsführer von Demokratie ohne Grenzen, Andreas Bummel, der auch Koordinator der internationalen Kampagne für eine UNPA ist, kommentierte, dass es nun höchste Zeit für die UN und die Mitgliedsstaaten sei, den Vorschlag ernsthaft zu prüfen. "Die UN75-Konsultationen bestätigen einmal mehr, dass die Bürgerinnen und Bürger dies wollen", sagte er.
Bild oben: Eine Frau aus St. Kitts und Nevis in der Karibik hält ein Schild hoch, nachdem sie die UN75-Umfrage abgeschlossen hat. Bild: UN
Augusto Lopez-Claros
As we face a whole range of unresolved global problems, many of them casting a shadow over the future of our species, we urgently need to revitalize our mechanisms of international cooperation. At the center of this is the transformation of the United Nations into a problem-solving organization and, without doubt, the establishment of a Parliamentary Assembly would be a powerful catalyst to enable the UN to live up to the ideals on which it was founded, delivering peace, security and prosperity for all.Over 100 Japanese lawmakers call for a UN Parliamentary Assembly
According to the Japanese Parliamentary Group for World Federation, more than 100 members of the Japanese House of Representatives and the House of Councillors, the two chambers of the National Diet, in recent weeks endorsed an international call for the creation of a United Nations Parliamentary Assembly. Signatories include parliamentarians from all major parties.

Annual meeting of the Japanese Diet Committee for the World Federalist Movement, 12 May 2020. Image source: www.gpaj.org
“These endorsements confirm that a UN Parliamentary Assembly is one of the important topics that needs consideration in the discussion on how to achieve more effective and more inclusive global governance. We urge the Japanese government to look into the subject”, said lawmaker Seishirō Etō, chair of the Japanese Parliamentary Group for World Federation.
The international call recommends “a gradual implementation of democratic participation and representation on the global level” and suggests that “the establishment of a consultative Parliamentary Assembly at the United Nations” is “an indispensable step”.
A report presented by the Japan Commission on Global Governance in May already highlighted broad support of the proposal.
Sukehiro Hasegawa, chair of the commission, is quoted in the report saying that “global challenges such as pandemics of infectious diseases, environmental pollution and climate change, conflicts and terrorism, widening gaps between rich and poor, financial and energy problems” could not “be handled effectively by UN agencies which are based on the sovereign state system.” It was “becoming necessary to transform the UN system by establishing a United Nations Parliamentary Assembly as the preliminary step for creation of the World Parliament”.
The commission’s sub-committee on parliamentary diplomacy recommended that a UN Parliamentary Assembly should be promoted by individual politicians and in international parliamentary settings.
The support from Japanese legislators was strongly welcomed by representatives of the international campaign for a UN Parliamentary Assembly. “This initiative indicates that Japan could play a leading role in building support for the proposal”, said Andreas Bummel, the campaign’s Secretary-General and Executive Director of Democracy Without Borders.
The Japanese Diet in a landmark resolution adopted fifteen years ago resolved that Japan should strive towards the realization of a world federation in order to achieve world peace. There is an understanding that a UN Parliamentary Assembly may be a step in this direction.
Top image: Building of the National Diet in Tokyo. Image taken in 2011. Source: Flickr/Dick Thomas Johnson, CC BY 2.0
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75 Jahre UNO: Parlamentarische Versammlung der Vereinten Nationen "wichtiger denn je"
Neue Studie empfiehlt eine parlamentarische Versammlung bei der UN
Anlässlich der 75. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN), die vergangene Woche in New York begann, empfiehlt eine von Demokratie ohne Grenzen veröffentlichte Studie die Einrichtung eines neuen parlamentarischen Gremiums bei der UN.
Laut der in Berlin ansässigen Gruppe, die die internationale Kampagne für ein UN-Parlament (UNPA) koordiniert, würde das neue Gremium dazu beitragen, "globale Zusammenarbeit und Demokratie" in einer "kritischen Zeit" zu fördern, und dies sei "wichtiger denn je."
Die Studie sagt, dass ein von Bürgerinnen und Bürgern gewähltes globales Parlament die Bevölkerung, die Zivilgesellschaft und globale Institutionen befähigen würde, "für das globale Gemeinwohl zusammenzuarbeiten."
Das Dokument weist darauf hin, dass in einem ersten Schritt die UN-Generalversammlung das neue parlamentarische Gremium "ohne die Notwendigkeit einer Änderung der UN-Charta" als ein weitgehend beratendes Gremium einrichten könnte, dessen Befugnisse schrittweise erweitert würden. Das bedeutet, dass keine Zustimmung des Sicherheitsrates erforderlich wäre. Die Studie erläutert, dass die Mitglieder zunächst von Fraktionen in nationalen oder regionalen Parlamenten ernannt werden könnten. Das Ziel sollten jedoch Direktwahlen sein.
"Wir fordern die Diplomaten in New York und die führenden Politiker in den Hauptstädten der Welt auf, die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung bei der UNO zu unterstützen. Das 75-jährige Jubiläum der UN ist die richtige Gelegenheit", sagte der Geschäftsführer der Gruppe, Andreas Bummel, der auch das Sekretariat der Kampagne für eine UNPA leitet.
UNPA würde die UN demokratischer, legitimer und effektiver machen
Bei einer Veranstaltung über eine demokratischere UNO, die von der Universität Padua in Italien organisiert wurde, betonte der Ko-Vorsitzende der Kampagne, der argentinische Abgeordnete Fernando Iglesias, die Wichtigkeit einer UNPA, um die Legitimität der UNO zu stärken und sie so in die Lage zu versetzen, eine relevantere Rolle im Umgang mit Angelegenheiten von globalem Interesse wie der Covid-19-Pandemie zu übernehmen.
Die südafrikanische Abgeordnete Nomsa Tarabelle Marchesi sagte auf einem Online-Panel, das im Rahmen des virtuellen UN75 Global Governance Forums organisiert wurde, dass eine UNPA "Zähne braucht" und dass die Covid-19-Krise gezeigt habe, "wie fehlerhaft das derzeitige System der globalen Zusammenarbeit ist", da es ihm an Transparenz und Effektivität fehle.
Der unabhängige UN-Experte für internationale Demokratie, Livingstone Sewanyana, kommentierte, dass "diese neue Versammlung notwendig ist, um den demokratischen Charakter der Vereinten Nationen und der globalen Regierungsführung zu verbessern."
Die internationale Kampagne für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen wurde seit 2007 von über 1.500 aktuellen und ehemaligen Abgeordneten aus mehr als 100 Ländern unterstützt. Sie wurde unter der Schirmherrschaft des verstorbenen ehemaligen UN-Generalsekretärs Boutros Boutros-Ghali gestartet. Der Vorschlag wurde erstmals 1949 unterbreitet.
Die neue Studie ist die bisher umfassendste Analyse seiner Umsetzung. Sie wurde von Maja Brauer, Politikwissenschaftlerin bei Demokratie ohne Grenzen, und Andreas Bummel verfasst.
Im Mai 2020 wurde der Vorschlag einer "direkt gewählten beratenden Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen" in der von der UN2020-Kampagne vorbereiteten "UN75 People's Declaration" der globalen Zivilgesellschaft befürwortet.
David Victori Blaya
After this pandemic we cannot afford to lose this once-in-a-lifetime opportunity to organise and demand—as united people—a global parliament based on a universal global constitution capable of taking care of every global challenge in the common good.
Sukehiro Hasegawa
The COVID-19 pandemic demonstrates the need for a UN Parliamentary Assembly that can address human security and other global issues of direct concern to the people around the world more directly than other organs of the United Nations. The existing UN General Assembly and the Security Council represent the executive branch of sovereign states that are primarily concerned with national security and interests. The world needs to transcend the Westphalian system of independent states to a world federation to deal with global issues such as coronavirus pandemic, climate change, arms proliferation and international terrorism by the norms and standards set by its Parliamentary Assembly.
Livingstone Sewanyana
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte erkennt das Recht eines jeden Menschen an, sich direkt oder durch frei gewählte Vertreter an öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen. Dieses Recht ist nicht auf lokale Angelegenheiten beschränkt und erstreckt sich auch auf globale Institutionen. Eine UN-Weltbürgerinitiative und eine Parlamentarische Weltversammlung bei der UNO stellen innovative Mechanismen für die Beteiligung der Bürger an globalen Angelegenheiten dar, hinter die ich mich mit Nachdruck stelle.
Unterstützung für eine UN-Parlamentarierversammlung in zwei zivilgesellschaftlichen Deklarationen
Manifest für demokratische Global Governance
Als Antwort auf die Coronavirus-Pandemie fordert ein neues Manifest, das diese Woche von der argentinischen zivilgesellschaftlichen Organisation Democracia Global lanciert wurde, "geteilte Souveränität, Koordination und Kooperation auf globaler Ebene" und eine "föderalere und demokratischere politische Struktur, die in der Lage ist, die Globalisierung zu regulieren".
Das Dokument steht zur Unterzeichnung offen, und auf der Website sind bisher rund zwanzig Gruppen sowie sechzig Einzelpersonen als erste Unterstützer aufgelistet, darunter fünf ehemalige Staats- und Regierungschefs aus Belgien, Kroatien, Mali, Mexiko und Uruguay.
Die Unterzeichner der Erklärung "fordern nationale Führungspersönlichkeiten und internationale Institutionen dringend auf, Lehren aus der Coronavirus-Krise zu ziehen. Lassen Sie uns zusammenarbeiten, um ein besser integriertes politisches System des 21. Jahrhunderts zu ermöglichen, regionale Institutionen zu stärken, die Vereinten Nationen zu reformieren und jede Regierungsebene repräsentativer und effektiver zu machen, zum Beispiel durch die Schaffung einer Parlamentarischen Versammlung bei der UNO".
Erklärung zum 75. Jahrestag der UNO
Eine weitere Erklärung, die von der zivilgesellschaftlichen UN2020-Initiative und der Londoner Kampagne Together First verfasst wurde, ist am 14. Mai 2020 bei einem virtuellen "People's Forum" dem Präsidenten der laufenden 74. Sitzung der UN-Generalversammlung, Tijjani Muhammad-Bande aus Nigeria, vorgestellt worden.
Das 12-seitige Dokument soll als Beitrag zu den zwischenstaatlichen Konsultationen zum 75-jährigen Bestehen der UNO und zu einem Gipfel dienen, der derzeit für September in New York geplant ist.
Unter anderem fordert das Dokument "einen mandatierten Follow-up-Mechanismus für die Zeit nach 2020" zur Verbesserung der Weltordnungspolitik, eine bessere Finanzierung der Vereinten Nationen und eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft.
Der Annex führt verschiedene weitere Vorschläge auf, darunter eine direkt gewählte Parlamentarische Versammlung bei der UNO, die "das Wohlergehen aller Menschen und des Planeten fördern würde".
Die Notwendigkeit eines globalen Parlaments wurde auf zwei Veranstaltungen hervorgehoben
Die Notwendigkeit eines globalen parlamentarischen Gremiums wurde bereits zuvor bei zwei virtuellen Veranstaltungen im April hervorgehoben, von denen eine von der Internationalen Baha'i-Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit UN2020 und Together First organisiert wurde und die andere von der Global Challenges Foundation und dem schwedischen Außenministerium.
Bild oben: Seit dem 10. März 2020 ist der UN-Sitz wegen des Coronavirus-Ausbruchs für die Öffentlichkeit geschlossen. Bild: UN-Foto/Mark Garten
